JobMentoring

Mit dem Tandemprogramm JobMentoring bietet „Einstieg zum Aufstieg“ in Kooperation mit dem Rotary Club Brandenburger Tor seit Mitte Mai 2021 Schüler:innen mit Einwanderungsgeschichte der VHS Tempelhof-Schöneberg Unterstützung bei der Berufsorientierung an.

Im Tandemprogramm „JobMentoring“ engagieren sich die Rotarier:innen über einen Zeitraum von drei Monaten als JobMentor:innen und unterstützen die Schüler:innen der VHS Tempelhof-Schöneberg, die dort ihren mittleren Schulabschluss nachholen, bei der Orientierung auf dem Arbeitsmarkt, dem Schreiben von Bewerbungen, der Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen und stehen allgemein als Ansprechpartner:in zur Seite. Alle Schüler:innen erhalten darüber hinaus ein Bewerbungstraining.

„Durch das JobMentoring wird unser bisheriges Angebot zur Vermittlung von Arbeit, Ausbildung und Praktika für Einwander:innen ergänzt. Unsere Teilnehmenden bekommen wertvolle Einblicke in die Berliner Arbeitswelt und können sich 1:1 zu ihren Ideen und Plänen austauschen.“ (Atussa Hamid, Einstieg zum Aufstieg)

Rotary Club Brandenburger Tor engagiert sich bereits seit über 5 Jahren im Rahmen ihres Programms „Take Action“ für Schüler:innen der VHS Tempelhof-Schöneberg. Dabei handelt es sich um Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren, die geprägt sind durch unterschiedliche Fluchterfahrungen. „Wir möchten den jungen Menschen begegnen, sie wahrnehmen, ihnen Wertschätzung und Stärkung geben und dadurch auch die Chancen für einen guten Berufseinstieg verbessern.“ (Andrea Schruff, Rotary Club Brandenburger Tor)

„Das Projekt ist eine äußerst wertvolle Ergänzung zur Berufsberatung in der Schule. Die individuelle Unterstützung durch die JobMentor:innen signalisiert den Schüler:innen zudem, dass sie in unserer Gesellschaft sehr willkommen sind.“ (Ulrike Kuchel, VHS Tempelhof-Schöneberg)

Gemeinsam in Richtung Zukunft

Andrea Schruff und Freshte Mirahmad haben sich über unser JobMentoring-Programm kennengelernt. Im Interview erzählen sie von ihren Erfahrungen als JobMentoring-Tandem

JobMentorin Andrea Schruff ist Präsidentin des Rotary Club Brandenburger Tor und hat davor bei Versicherungen und Banken gearbeitet, zuletzt als Direktorin der Weberbank.


Was war deine Motivation beim JobMentoring mitzumachen?
Der Rotary Club Brandenburger Tor unterstützt die Schüler schon seit einigen Jahren im Rahmen unseres Projekts „take action“. Die jüngste Vergangenheit zeigt, wie notwendig kulturelle Integration ist. Ich hatte das Gefühl, darüber hinaus auch nach ihrer erfolgreich bestandenen Schulprüfung noch konkret helfen zu können. Der Rahmen, den mir "Einstieg zum Aufstieg" bietet und die fantastische Unterstützung im Prozess, ließ diesen Wunsch real werden. Mit meinem Engagement möchte ich auch das Zeichen in die Gesellschaft senden, dass individuelle Hilfe möglich und einfach sein kann.

Welche Erfahrungen hast du gemacht?
Ausgesprochen positive Erfahrungen auf allen Seiten: Die Lehrer würdigen unseren Einsatz im besonderen Maße, die Schüler sind sehr dankbar. Auffällig und unerwartet war die systematische Hilfe vom Staat, Jobcenter und Arbeitsamt - alle sind bemüht und ausgesprochen hilfsbereit. Ich hatte den Eindruck einer "gelebten Willkommenskultur“. Außerdem gibt sehr viele Unternehmen, die sich besonders für Geflüchtete einsetzen.

JobMentee Freshte Mirahmad ist im Iran aufgewachsen und hat dort als Schneiderin gearbeitet. Seit 2015 ist sie mit ihrem Mann und ihren Kindern in Deutschland.

Was hast du durch dein JobMentoring gelernt?
Ich habe gelernt wie ich freie Ausbildungsstellen finde, mit Unternehmen in Kontakt kommen kann und Motivationsschreiben aufsetze. Außerdem unterstützt mich Andrea bei Formulierungen, die ich in einem Telefonat mit Arbeitgebern gut einsetzen konnte.

Was hast du gemeinsam mit deiner JobMentorin erreicht?
Ich wollte eine Ausbildung als Zahntechnikerin machen. Andrea hat mit mir Bewerbungen geschrieben, so dass ich die Möglichkeit bekommen habe in einem Zahntechniklabor Probe zu arbeiten. Dabei habe ich herausgefunden, dass dieser Beruf nicht zu mir passt. Diese Erfahrung war sehr wichtig für mich.

Was ist dein nächster Schritt?
Ich mache derzeit einen B2-Deutschkurs und möchte als nächsten Schritt meine B2-Prüfung bestehen, um mich dann auf Ausbildungsplätze im Bereich Immobilien und Versicherung zu bewerben. Ich freue mich, dass Andrea und ich dazu weiterhin im Kontakt stehen.




Auch Schülerin Semra Mamud-Ogly und Student Jakob Langen, Mitglied Rotaract Club Berlin-Brandenburger Tor, haben sich über unser JobMentoring-Programm kennengelernt. Im Interview erzählen sie von ihren Erfahrungen als JobMentoring-Tandem.

JobMentor Jakob Langen, 29 Jahre alt, studiert Religion und Kultur an der Humboldt Universität Berlin.


Jakob, was war deine Motivation, beim JobMentoring mitzumachen?
"Meine Eltern haben es mir ermöglicht, einen Gymnasial-, Bachelor- und Masterabschluss zu erwerben. Als Kind einer deutschen Mittelschichtsfamilie, das fast jeder denkbaren gesellschaftlichen Mehrheit angehört (und dessen Migrationshintergrund sich über die letzten drei-vier Generationen in einem Radius von 50km abgespielt hat), bin ich gerade mit Blick auf Bewerbungssituationen in diesem Land privilegiert aufgewachsen.

Mir ist bewusst, dass das Erstellen von sprachlich wie inhaltlich korrekten Bewerbungsunterlagen für viele Menschen, gerade solche mit Migrationshintergrund, eine große Herausforderung darstellen kann. Meine Hoffnung zu Beginn des JobMentoring war es daher, meiner Mentee alle potenziellen formalen Fehler aus dem Weg zu räumen und sie zu einem selbstbewussten Auftreten zu motivieren."

Und welche Erfahrungen hast du gemacht?
"Semra, der ich als JobMentor helfen durfte, spricht sehr gut Deutsch, ist pro-aktiv, denkt mit und arbeitet sehr selbstständig. Was ihr bei bisherigen Bewerbungen im Weg zu stehen schien, waren wirklich eher Formalitäten oder unklare Formulierungen, die bei potenziellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern für Zweifel gesorgt hatten.

Gemeinsam konnten wir ihren Lebenslauf überarbeiten, sowie Anschreiben und Motivationsschreiben aufsetzen, die einen professionellen ersten Eindruck erweckten und Semra so die Chance gaben, in persönlichen Gesprächen zu glänzen. Ihr mit Blick auf die Formalitäten unter die Arme zu greifen, war mir ein Leichtes und hat ihr hoffentlich eine Blaupause für zukünftige Bewerbungen geliefert."

JobMentee Semra Mamud-Ogly, 20 Jahre alt, ist 2013 aus Kasachstan nach Deutschland gekommen.


Semra, was hast du durch dein JobMentoring gelernt?
Jakob und ich haben gemeinsam meinen Lebenslauf überarbeitet. Durch die leicht andere Schwerpunktsetzung ist der tabellarische Lebenslauf übersichtlicher und betont besser meine Stärken, wie z.B. meine Sprachkenntnisse. Außerdem habe ich gelernt, was alles in ein Anschreiben sowie ein Motivationsschreiben gehört.

Und was hast du gemeinsam mit deinem JobMentor erreicht?
Vor dem JobMentoring hatte ich noch nie ein Motivationsschreiben geschrieben. Mit Jakob habe ich gemeinsam überlegt und reflektiert, was meine Beweggründe sind, was ich mir von einer Ausbildung im Pflegebereich erhoffe und was meine Erwartungen an den Pflegeberuf sind. Die systematische Darstellung im Motivationsschreiben hat mir nicht nur dabei geholfen, mich besser zu präsentieren, sondern mich auch in meinem Vorhaben bestärkt, diesen Berufsweg einzuschlagen.

Weißt Du schon, was deine nächsten Schritte sein werden?
"Gerade habe ich ein einwöchiges Praktikum in der Vitanas Seniorenresidenz Hohenschönhausen (am Obersee) gemacht. Die Arbeit war vielfältig und spannend. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich mich gut verstanden und sie haben ein gutes Wort für mich eingelegt.

Jetzt habe ich am 2. September ein Vorstellungsgespräch bei der „Vitanas Akademie“, einer Art Berufsschule. Wenn das Gespräch gut läuft, könnte ich sogar schon ab Oktober einen Ausbildungsplatz zur Pflegekraft bekommen. Bisher habe ich im Bereich der Pflege über Praktika und ehrenamtliches Engagement gute Erfahrungen gemacht und bin definitiv gespannt auf die Ausbildung."